Utopie 10: Das Meer

Hallo, leider komme ich mit dieser Seite noch nicht so gut zurecht. Deshalb müsst ihr diese Geschichte jetzt von unten nach oben lesen.  Also das erste Kapitel kommt zum Schluß…

Zusammenhängend unter der Categorie: „Allerhand Geschichten“ zu finden.

Utopie 10

Das Meer

Kutila hockte an Deck, des Bootes und schaute fasziniert in die Wellen. Es stürmte und der beachtliche Wellengang zeigte an, dass sie sich der weiten See näherten…..

Kutila hatte die Reling mit Schnitzereien verziert, zum Dank dafür dass sie mitfahren und bei den Bären essen konnte. Sogar Aala und Rosan waren von ihnen mit Fisch gefüttert worden.

Dafür hatte sich das vormals glatte Holz an einer Seite des Schiffes nun in lauter sich windende Schlangen, Feuer speiende Drachen, Katzen Vögel und verschlungenes Geäst verwandelt.

Kutila schaute sehr gespannt, denn sie hatte noch nie das Meer gesehen. Ihre Haare peitschten um ihr Gesicht, während sie sich an der Ballustrade festhielt. Es war kalt und sie war die einzige an Deck. Alle anderen auch die Katzen, hatten sich irgendwo an einem warmen windgeschützten Platz verborgen. Aber Kutila wollte den ersten Anblick nicht verpassen.

Jedes mal wenn das Schiff um eine Biegung fuhr, hielt sie gespannt den Atem an. Wieder nichts.

Die Schreie der Möwen begleiteten sie aber bereits.

Irgendwann wurde es dunkel und sie gab es auf, weil sie sowieso nichts mehr sehen konnte. Durchgefroren kuschelte sie sich an Aala und Rosan und schlief schließlich ein.

Aber mit dem ersten Morgengrauen war sie wieder wach und stürmte an Deck. Die Sonne ging gerade auf, und da!

Rot und golden überflutet erstreckte sich Wasser, soweit sie blicken konnte. Der Rein weitete sich zu einem breiten Delta und dahinter lag gleißend die See. Fast beängstigend in ihrer Schönheit.

Die Wellen schäumten hier und da weiß herauf. So bedächtig und doch so mächtig gluckste und wogte das Meer vor ihr. Verspielt malten die Wellen immer andere Figuren. Ein Kunstwerk, schöner als sie es sich je hätte träumen lassen.

Plötzlich streckte sich ein grauer Kopf aus dem Wasser, von Schnurrhaaren geziert und mit großen Augen, die die ganze Weite und Tiefe des Meeres wieder zu spiegeln schienen. Von rauer Kälte, schneebedeckten Stränden, Eisbergen, aber auch wohligen Sommernächten am Stand und warmen Tagen erzählten sie. Beinahe hätte Kutila sich in ihnen verloren. Das Tier tauchte unter. Aber kurz darauf erschienen noch mal 3 ähnliche Köpfe und schauten sie an, als wollten sie sie willkommen heißen.

Eine schwere Hand legte sich auf ihre Schulter und sie sah Dosan hinter sich stehen.

Das sind die Seehunde. Ich glaube sie begrüßen dich.“ , damit verschwand er wieder. Kutila schaute fasziniert. Die Sonne stieg und färbte das Wasser erst orange, rosa und dann immer heller gelb, bis sie schließlich als runder Ball am Himmel stand und herab brannte. Die Mondin verblasste im Hintergrund und war nun nur noch als Silhouette hinten auf der Landseite zu sehen.

Rosan und Aala standen neben ihr. Und die Bären kamen schweigend, richteten ein Frühstück an und setzten sich im Halbkreis dazu. Sie wollten Kutilas erstes Seeerlebnis nicht stören….

Endlich holten sie die Segel ein und hüpften ins Wasser. Kutila konnte gut schwimmen und sprang mit einem Kopfsprung in die wogende See. Das Wasser massierte ihren Körper und die Tiefe unter ihr erzeugten eine prickelnde berauschende Angst, während sie zwischen den Männern im Wasser kraulte, sich wendete und schließlich einen wilden Tanz vollführte. Sie konnte gar nicht genug davon bekommen. Aber schließlich zog sie sich mit letzter Kraft erschöpft das Seil auf das Boot wieder hinauf und lehnte sich oben an einen Mast um sich damit zu begnügen, die See mit den Augen und der Nase aufzunehmen. Die salzige Luft tat so gut in ihren Lungen.

Einige Tage segelten sie nun auf offener See. Das Wetter war gnädig und lies die Wellen nur gerade so hoch werden, dass sie es noch lustig fand.

Nach 3 Tagen erblickten sie eine Insel.

In der Abenddämmerung legten sie an. Das Meer war wiederum rot orange-golden verfärbt und am Ufer in einiger Entfernung täute ein anderes Boot. Lustig und bunt sah es aus. War bemalt und überall mit abenteuerlichen Figuren verziert, die Kutila bei dem Licht und in der Entfernung nicht genau erkennen konnte.

Endlich bestieg Kutila das kleine Birteboot und schaukelte zusammen mit Rosan und Aala dem Land entgegen. Wolkenfetzen malten seltsame Figuren an den Horizont, als Kutila schwankend an Land stieg. Sie konnte sich plötzlich schwer daran gewöhnen, festen Boden unter den Füßen zu haben. Hin und her fuhr das Birteboot und die Gruppe am Ufer wurde immer größer.

Irgendwann bemerkte Kutila, dass Aala und Rosan verschwunden waren. Undeutlich sah sie sie weit vorne geschmeidig auf das andere Schiff zu traben. Erstaunt folgte Kutila ihnen über den knirschenden steinigen Sand..

Dann waren die 2 Katzen plötzlich verschwunden. Kutila schlich dem bunten Boot näher und bemerkte erstaunt, dass in einiger Entfernung auf einem grünen Streifen, der bei dem Licht gerade noch zu erkennen war, ein Schimmel graste. Hatten die Schiffsbewohnerinnen Pferde dabei?

Nun wendete sie sich dem Boot zu, hinter dem der orange Feuerball sich anschickte im Meer zu versinken.

An Deck standen viele Frauen. Kräftig waren sie, beachtlichen Muskeln zierten ihre Arme. Mit leuchtenden Zähnen lachten sie zu Kutila herunter.

Plötzlich wurde ihr Blick wie magisch angezogen von einer Frau, die vorne auf dem Bug stand. Ein rotes Kleid um-flatterte ihren Körper und braune Haare wehten verspielt im Wind, peitschten ihren Rücken sanft. Die Hände hatte sie in den Nacken von 2 großen Katzen gelegt, die rechts und links von ihr saßen, ihre Köpfe an sie schmiegten und hin und wieder erfreut ihre Schenkel leckten. Rosan und Aala.

4 kleine Katzen spielten in dem Getäu des Segelmastes fangen.

Mit etwas nach hinten geneigtem Kopf und leicht zusammengekniffenen Augen schaute die Frau, mit kaum wahrnehmbarem, gespannt funkelndem Lächeln, zu Kutila hinunter.

Suray!



Utopie 9: Die Schilfbauern

Utopie 9

Die Schilfbauern

Einige Tage später, sie waren der Küste schon eine ganzes Stück näher, wollten die Bären eine befreundete Stadt besuchen. Diese lag ein Stück landeinwärts. Deshalb vertäuten sie ihr Schiff und stapften fröhlich einen kleinen Pfad entlang.

Hier wuchs viel Schilf und die Luft war sehr feucht. Kleine behende Vögel sirrten geheimnisvoll und die Karavane wurde ganz still. Keiner sprach ein Wort.

Endlich ging es leicht bergan und oben auf der Höhe konnte Kutila die Stadt überblicken. Sie lag inmitten riesiger Cannabisfelder. Jedes Haus und jede Hütte sah anders aus und dazwischen lagen kleine Gärten mit Gemüse, Mais, Korn und Obstbäumen.

In der Mitte ragte ein Holzturm in die Luft. Er bestand aus einer Treppe, die gewunden nach oben führte, zu einer überdachten Plattform.

Dort stand eine Frau und schaute zu ihnen hinauf. Irgendwann winkte sie und rannte den Turm hinunter.

Kurz darauf kam ihnen eine Gruppe Männer entgegen. Sie führten sie zu dem Platz neben dem Turm und dann feierten sie ein Fest. Viele Pfeifen, berauschende Getränke und Gebäck machte die Runde.

Es gab Gruppen von Frauen, die offensichtlich für sich lebten und Kutila verstand sich gleich prima mit ihnen. Sie saßen beisammen, erzählten sich ihr Leben und begannen irgendwann ekstatisch zu tanzen.

Ebenso gab es Gruppen mit Männern, aber auch gemischte Gruppen und dazwischen liefen überall viele Kinder umher.

Als die Sonne unter ging, gab es keine Person, die nicht entweder tanzte, oder auf Trommeln, Gitarren, Digeridus, Harfen und allen möglichen anderen Instrumenten musizierte. Die Menschen wechselten sich auch ab. Die sich müde getanzt hatten, gingen zu den Instrumenten und umgekehrt.

Eine Frau, die nur ein Bein hatte, tanzte darauf die ganze Nacht mit ihren Krücken.

Gegen Morgen verschwanden die Menschen leise in den Hütten und Häusern. Die Bären mit Kutila legten sich ins Heu. Dort lagen für Gäste schon Decken bereit. Hier schliefen sie, bis die Sonne hoch stand.

Nach einem Frühstück aus Brot, Milch und Obstkompott umarmten sie sich zum Abschied herzlich. „Komm doch mal wieder vorbei“, sagten die Frauen zu Kutila.

Dann liefen sie leise den Pfand zurück zum Fluss. Grade rechtzeitig in der Dämmerung erreichten sie das Schiff, das am Ufer vertäut lag.

Kutila fühlte sich plötzlich schwindelig. Rosan und Aala schlichen besorge neben ihr her und begleiteten sie zu ihrem weichen Lager das sie sich auf dem Boot eingerichtet hatte.

Aber Kutila war unruhig. Sie kletterte die Takelage hinauf und stellte sich in den kleinen Aussichtsstand, der ganz oben am Mast angebracht war. Dort schaute sie in den Himmel zu den Sternen. Sie fühlte sich auf einmal so allein zwischen all den fremden Menschen.

Bilder erschienen vor ihren Augen. Sie sah ihre Freundin, die ihr braunes Haar zurück strich. Nara-Zuli, wie sie lachend über den Holzfußboden krabbelte, als sie ungefähr 3 Jahre alt war. Dann die Felder auf denen sie im Spätsommer das Korn mähten und die Ähren zusammen banden.

Auf einmal erblickte sie Suray, wie sie in einem roten Kleid, mit wehenden Haaren auf einem Schimmel durch den Wald preschte.

Sie ritt so schnell wie der Wind.

Wohin?

Eine große Sehnsucht packte Kutila.

Schlange! Schlangenfreundin!“, rief sie. Es wisperte in der Luft und dann hörte sie die Musik. Aber diesmal war es ein ganzes Orchester, dass von allen Seiten auf sie einzudringen schien. Ein Duft, wie Sandelholz, Rosen und Ilang Ilang erfüllte die Luft. Und dann kam sie. Ein riesige rote Schlange kam auf sie zu.

Groß wie ein Baumstamm. Sie schlängelte und kringelte sich um Kutila. Wand und bäumte sich schließlich vor ihr auf:

Meine Schwestern haben keine Zeit, aber ich bin gekommen um bei dir zu sein, weil du dich nach uns sehnst.“, wisperte sie betörend. Kutila entkleidete sich und umfasste die Schlange mit Armen und den Beinen. Dann erhob sich die rote Schlange in die Lüfte und rauschte mit ihr durch die sternenklare Nacht.

Kutilas Vernusszipfel rieb an dem weichen samtigen Körper der Schlange und sie war wie erfüllt von einem roten Pulsieren, als ob sie eins würde mit der großen Schlange, die anfing zu singen und schleifen und Kreise in der Luft zog, sich überschlug und doch aufpasste, dass Kutila nie abstürzte. Sie ritt auf der Schlange, war eins mit ihr und mit dem Nachthimmel, immerdar.

Der Alltag verschwand unter ihr. Sie vergaß alles und war nur noch Lust, nur noch rotes warmes, klopfendes Pulsieren inmitten der kühlen Nacht.

Ihre Brüste schienen sich um die Schlange zu winden. Die Brustwarzen pochten. War die Schlange unter ihr, über ihr oder in ihr? Sie wußte es nicht.

Plötzlich kamen ganz viele große Schlangen in allen möglichen Farben auf sie zu. Bildeten einen fliegenden Teppich, auf den sie sich legte. Dort war auch die kleine weiße Schlange mit dem orangenen Muster auf Kopf und Rücken und die etwas größere schwarze mit dem roten Muster. Sie begrüßten sie und kehrten in alle ihre Körperöffnungen ein. Rieben sich durch und um sie herum. Mund, Venusöffnung, Anus, Schlangenteppich, Schlangenheimat, Schlangenhaus.

Eine Augenblick war sie in Ägypten, in einer kleinen Hütte und sah einen Altar, auf dem sich Schlangen wanden. Das musste lange her gewesen sein. Ein Töpfchen mit Milch stand da und eine kleine Weiße Schlange schleckte daraus genüsslich. Mit einem orangenen Muster auf Köpfchen und Rücken.

Plötzlich lag sie in dem kleinen Ausguck hoch oben am Mast. Die rote Schlange hatte ihren Kopf vor dem Kutilas und zischelte: „Liebe Freundin. Wenn du uns braucht, wenn du Sehnsucht hast, oder in Not bist, dann klopfe auf das Geschenk meiner weißen Schwester. Dann werde ich und meine ganze Familie kommen. Und wenn du willst, dann werden wir wieder in den Himmel fliegen …“

Damit glitt sie durch die Luft davon. Aber Kutila hörte noch lange die rauschende Musik und roch den Duft. Als es schon beinahe nicht mehr zu hören war, steckte einer von den Bären besorgt seinen Kopf zu ihr in den Ausguck herauf.

Ist bei dir alles in Ordnung? Wir fragen uns, was du so lange da machst. Du sahst vorhin etwas bleich aus. Geht’s dir gut? Soll ich dich herunter tragen?“

Kutila war vor Lust noch sprachlos, aber streckte ihre Arme um seinen Hals und so trug der Bär sie hinunter, wo eine warme Katzenzunge sie begrüßte.

Auf ihrem warmen Lager, mit den schönsten Träumen schlief sie schließlich ein, weich von den Wellen gewiegt.

Utopie 8: Die Bären

Utopie 8

Die Bären

Aala und Rosan hatten sich inzwischen an die ungewöhnliche Gesellschaft gewöhnt. Sie sprangen neben dem Schiffsmast herum, bissen sich spielerisch in den Hals und kletterten auch ein Stück die Takelage hinauf um dann wieder hinunter zu springen.

Am Abend feierten die Bären ein Fest. Auf einer Bühne nahe dem Mast saßen Musiker, mit Trommeln, Banjos, Dudelsäcken, Klingeln und Pauken.

Auf den Meeren Hoou,

auf der Liebe Hoo,

segeln wir zur Freude

um die Erde jaouu!“,

lautete der Refrain. Kutila musst ein wenig lächeln, denn um die Erde war ja nun doch ein wenig übertrieben. Aber die Männer hatten ihren Spaß.

Auf der Fläche, auf der zuvor Rosan und Aala gespielt hatten, bildete sich nun ein Kreis, in dessen Mitte ein Paar sich eingehakt wild im Kreis herum dreht. Plötzlich, an einer bestimmten Stelle im Lied ließen die 2 sich los und stoben nun durch die Schwerkraft auseinander, wobei der Ring darum herum sie zurück in die Mitte schleuderte und sie sich sehr geschickt wieder einhakten und von neuem begannen zu drehen.

Bis sie von einem andern Paar abgelöst wurden.

Einmal passte einer im Kreis nicht auf und der Mann schleuderte weiter über die Reeling ins Wasser. Er schimpfte aus voller Kehle und der Mann der nicht aufgepasst hatte stand am Geländer, schaute hinunter auf den paddelnden und schimpfenden Mann:

Donnerkeil und Dorian, was bin ich für ein Trottel! Dass mich doch der Bär in den Fuß beisse. Aber nun komm hoch und beruhige dich langsam. Komm und liefer mir den nächsten Tanz Schnurzi.“, flehte er mit hoher Stimme.

Du Trottel! Da hätte ja sonstwas passieren können. Kannst du denn nicht aufpassen?!“

Du hast ja recht! Ich werde dir zum nächsten Fest ein besonders leckeres Fischgericht kochen ehrlich. Es tut mir leid!“

Ein Fischgericht. Hmm. Wenn Dosan Fisch kocht, das ist wahrlich nicht zu verachten. In Ordnung. Angenommen!“

Nun kletterte der Mann an einem Seil, das hinunter ins Wasser hing hinauf. Oben boxten die 2 sich noch einmal spielerisch. Dann ging das Fest weiter und Dosan passte in Zukunft besser auf….

Kutila war inspiriert von dem Tanz und bekam irgendwann Lust mit zu tun. Sie fragte den kleinsten von den Männern, der nicht größer war als sie, aber dafür einen beachtlichen Bauch vor sich her trug.

So wirbelte sie mit ihm in der Mitte und ich kann euch verraten! Es machte einen riesen Heidenspaß, sich loszulassen, nach außen zu wirbeln und von den Männern wieder in die Mitte geschleudert zu werden. Sie wollte sich den Tanz merken und gleich wenn sie heimkam in Kukuwa einmal ausprobieren.

Als die Männer irgendwann in Paaren beisammen lagen und ihre Liebesspiele begannen, zog Kutila sich mit Aala und Rosan zurück.

Sie suchten sich ein geschütztes Plätzchen, schauten über das Wasser und in den Sternenhimmel. Sanft gewiegt schliefen sie schließlich ein.

Kutila erwachte als die Sonne schon hoch stand. Alla und Rosan waren nicht mehr bei ihr und so schaute sie, wo sie waren.

Als sie Oben auf dem Deck zur anderen Seite blicken konnte, sah sie sie.

Das Schiff hatte angelegt und alle schauten auf einen jugendlichen Mann.

Er war blond, mit langen Haaren, die zu einem Zopf gebunden waren. Schmal und der Bart sproß noch spärlich. So schaute er zitternd und mit Sehnsucht im Blick auf die Männer im Boot.

Seid ihr die Bären?“ stammelte er. Die Männer schauten betreten zu ihm hinab.

Suchst du uns?“, fragte der älteste von den Männern und Kutila hätte sich nicht vorstellen können, dass seine Stimme so sanft klingen könnte.

Ich wollte euch nur mal kennen lernen….“. Die Stimme des jungen Mannes war in den Sopran gewandert.

Na denn nichts wie an Deck.“ Ein rothaariger Athlet sprang behende hinunter und begleitet den jungen Mann hinauf.

Aber überlassen wir Kutila auf dem Boot einmal ihrem Glück und schauen nach Frankfurt:

Suray stand in einem roten Kleid auf dem Sims vor ihrer Hütte und vernagelte ihr Baumhaus mit Brettern. Zum Schluss hängte sie noch ein Schild davor: „Bin längere oder kürzere Zeit verreist“ , stand darauf. Oben in die Ecke hatte sie eine kleine Blume gemalt.

Nun kletterte sie eilig die Strickleiter hinunter und zäumte den Schimmel auf, der unten auf sie wartete und schnaufte.

Dann befestigte sie geschwinde die Körbe, die sie zuvor geflochten und innen mit Schaffell ausgekleidet hatte, setzte leise auf sie einredend die 4 Katzen hinein, die sie etwas erstaunt anschauten.

Nun bestiegt sie das Pferd und jagte schnell wie der Wind durch den Wald, dass alle Bäume, Vögel und Tiere die sie sahen, den Atem anhielten.

Wohin so schnell des Wegs?

Utopie 7: Am Rhein

Utopie 7

Am Rhein

Kutila war sehr ausgeruht, als sie sich am Morgen auf den Weg machte.

Der Wald stand voller Nebel und sie hatte beschlossen den Rest des Weges zum Meer auf dem Wasser zurückzulegen.

Hoffentlich hatten Rosan und Aala nichts dagegen, dachte sie.

An den Weggabelungen standen überall schön gearbeitete Wegweiser und so nahm sie an der nächsten Kreuzung den Pfad zum Rhein.

Aala und Rosan blieben heute nah bei ihr. Vielleicht weil sie sich inzwischen weit von ihrem bekannten Revier entfernt hatten.

Endlich gegen Abend öffnete sich der Wald. Auch der Nebel hatte sich gelichtet und es bot sich ein überwältigendes Bild: In einer tiefen Schlucht umsäumt von hohen zackigen Felsen lag der Fluß. Er war von der untergehenden Sonne rot beschienen und an seinem Ufer stand ein kleines Dorf. Schöner hätte Kutila es sich nicht träumen können. Aus runden, ovalen oder zwiebelförmigen Fenstern strahlte ein warmes Licht in die Dämmerung. An einem Feuer am Ufer saßen, lachten musizierten und tanzten einige Menschen. Kinder sprangen ausgelassen zur Musik darum herum und ein Pärchen stand da und küsste sich. Neben dem Dorf weideten Pferde und andere Tiere, die Kutila bei dem Licht nicht mehr erkennen konnte. Es war ein Bild des tiefsten Friedens und Glückes.

Da der Weg aber noch weit und es auch nicht ganz üblich war ohne Not im Dunkeln in ein fremdes Dorf zu gehen, kuschelte Kutila sich zwischen den Katzen zusammen und versuchte zu schlafen. Die Sterne zogen über ihr dahin, so weit…. alles war voller Sternenliebe und es gab keine Einsamkeit.

So schlief sie mit warmem Herzen und Vorfreude schließlich ein.

Begeistert begannen sie am nächsten Morgen den Abstieg. Kutila rannte mehr, als dass sie lief und so langten sie nach einigen Stunden im Dorf an.

Die Menschen schliefen noch, denn sie hatten wohl lange gefeiert, am Abend. Also setzte sich Kutila an die Dorflinde und wartete.

Ein kleines etwas 4 jähriges Mädchen mit rotem Lockenkopf, entdeckte sie als erste. Staunend schaute sie Rosan und Aala an. Die merkten wohl die Angst und hielten sich zurück. Schließlich waren sie aus Hight-Tech gewohnt, mit Menschenkindern beisammen zu sein. Kutila legte den Arm um die Katzen. So schauten sie sich an, bis das Mädchen sich umdrehte und weg lief. „Mama, Mama! Da ist jemand. Mama, komm schnell!“, rief sie.

Nach einiger Zeit kamen eine Frau und ein Mann mit zerzausten Haaren, Hand in Hand lächelnd auf die 3 zu.

Sie streckten ihr freundlich die Hand entgegen. „Guten Morgen. Willkommen in Pfelowa.“

Guten Morgen. Ich heiße Kutila und das sind Rosan und Aala.“

Seid ihr aus Hight-Tech?“

Rosan und Aala sind aus Hight-Tech. Ich komme aus Kukuwa und die beiden sind bei mir, weil meine Tochter in Hight-Tech lebt. Wir sind unterwegst zum Meer und sie wollten mich begleiten.“ In diesem Moment hoben Aals und Rosan wie zur Bestätigung ihre Köpfe und schauten die 2 an.

Sicher seid ihr hungrig. Allerdings haben wir für die Katzen nichts, es sei denn sie würden Brot und Gemüse essen.“

Die versorgen sich selbst, aber über ein Stück süßes Gebäck würden sie sich sicherlich trotzdem freuen.“

Das Pärchen führte Kutila, Rosan und Aals nun zu einer kleinen Terrasse am Rhein. Es war zauberhaft schön. Ein feiner Dunst lag über dem Wasser, Vögel jagten darüber hin und stießen schrille Schreie aus.

Kutila genoss nach so langer Zeit ein richtiges Frühstück, mit warmem Tee, süßem Brot und etwas Käse aus vollen Zügen.

Dieses Brot schmeckte aber auch besonders gut. Es zerging auf der Zunge und hinterließ einen nussigen Geschmack. Auch der kleine Tiger und die schwarze Pantherin ließen es sich schmecken und schmatzten dabei genüsslich und vernehmlich.

Was hast du für Pläne?“ , fragte schließlich der Mann, als Kutila sich satt und zufreiden zurück lehnte.

Wir wollen ans Meer und da ich eigentlich nicht länger als ein Jahr wegbleiben wollte- Ich habe eine Freundin daheim und hänge auch an den anderen Dorfbewohnerinnen, dachte ich, es könnte besser sein, mit dem Schiff zu fahren. Wir wollen ein paar Monate mit den Inselfischerinnen segeln.“

Mit den Inselfischerinnen? Das wird bestimmt abenteuerlich. Ich habe schon viel davon gehört. Bestimmt wirst du Glück haben. Hier kommen jeden Tag Schiffe vorbei und wir haben einen Mast,“ der Mann zeigte auf einen kahlen Baum am Ufer, der beinahe keine Zweige mehr hatte, „da hängen wir ein buntes Tuch dran, wenn wir möchten, dass die Boote anhalten.“

Heiße Freude durch fuhr Kutila. Dann waren sie also schon bald auf dem Wasser! Sie begann auf der Terrasse eine kleinen Tanz und die Frau der Mann und auch das kleine rothaarige Mädchen schauten ihr lächelnd zu.

Tatsächlich kam schon bald tutend ein Boot um die Flußbiegung gefahren. Kutila umarmte die Familie dankend und rannte begeistert darauf zu. Aala und Rosan kamen eher zögernd hinterher.

Als sie an der Anlegestelle ankamen, wusste Kutila auch, warum.

Auf dem Landungssteg stand ein Mann und stemmte die Hände in die Hüften. Das ganze Boot war voller Männer, die eher etwas grimmig drein blickten, fand Kutila.

Nun? Was wollt ihr?“, knurrte der Mann. Seine Arme schmückten beachtliche Muskeln. Lange Haare und ein Vollbart zierten sein Gesicht, das noch dazu mit vielen Tattoos und Piercings geschmückt war. Nie hatte Kutila Menschen gesehen, die so muskulös waren.

Der Mann begann zu grinsen. „Wir beißen nicht. Unsere Muskeln sind nur zur Zierde. Damit drehte er sich um und küsste den etwas jüngeren blonden Mann, der hinter ihm stand leidenschaftlich auf den Mund.“

Ach die Bären! Ihr seid die Bären!“, rief Kutila erfreut.

Ja die Bären! Ho, ho, ho, hoo! Wir haben noch nie kleine Lesben aufgefressen!“ Kutila wusste nicht so genau, ob sie sich jetzt ärgern sollte. Fand es dann aber eher lustig. Groß war sie ja wirklich nicht.

Sie hatte auch nicht viel Zeit nachzudenken, denn das Schiff legte schon ab und schaukelte sie auf den Wellen sanft dem Meer entgegen.

Utopie 6: Kellerraum

Utopie 6

Unter der Ruine

Auf der Waldlichtung dämmerte es bereits. Kutila hatte Hunger und so sammelte sie sich Wurzeln und wildes Obst. Zündete ein Feuer an und kochte sich auf einem flachen Stein ein Abendessen.

Zum Schlafen legte sie sich vor den Eingang der Höhle. Aala und Rosan kuschelten sich um sie herum.

Am nächsten Morgen stand sie zeitig auf. Irgendwie drängte es sie, jetzt schnell ans Meer zu kommen und sie wusste, dass sie noch einen weiten Weg vor sich hatte.

So trabte sie mit dem kleinen Tiger und der schwarzen Pantherin durch den Wald. Hin und wieder machten sie eine Pause. Lauschten dem Gezwitscher der Vögel aßen und tranken eine Kleinigkeit.

Am Abend sahen sie in der Ferne eine Siedlung. Kutila freute sich sehr. Aber als sie anlangten, bemerkte sie enttäuscht, dass es eine alte Siedlung aus der Zeit vor dem großen Chaos sein musste. Sie war unbewohnt.

Das Haus vor dem sie stand, sah riesig und phantasielos aus. Ein rechteckiger Kasten, in dem quadratische Fenster saßen mit einer rechteckigen Tür.

Neben der Eingangstür führten Stufen in einen Kellerraum hinunter.

Kutila stieg neugierig hinab. Sie hatte noch nie solch ein Haus gesehen.

Der Boden unten war aufgerissen und die grauen Steine, mit denen die Menschen vor dem großen Chaos alles bedeckt hatten, lagen auf der Seite. Darunter war ein staubiger Lehmboden zu sehen und irgendwie schien von unten aus der Erde Wärme aufzusteigen.

Kutila packte die Sehnsucht. Sie verstand nicht, wieso sie nicht länger in der Höhle geblieben war und auf die weiße Schlange gewartet hatte. Da erinnerte sie sich daran, was die Schlange gesagt hatte: „Wenn du Sehnsucht nach mir hast, kannst du mich rufen.“

Schlange! Schlangefreundin!“, rief sie leise.

Zuerst passierte gar nichts. Aber plötzlich verschob sich ein Stein in der Wand und Kutila roch wieder den Duft und hörte die feine Musik. Aber es roch anders und die Töne waren tiefer.

Auch schien das Licht, dass jetzt aus der Öffnung strahlte, nicht orange-weiß, sondern rot-orange.

Kutila wartete gespannt und erfreut. Da sah sie den Kopf einer Schlange. Aber diese war größer. Ihre Haut glänzte schwarz mit rotem Muster.

Kutila wurde eingelullt von der Musik und dem Duft. Sie streckte ihre Hand aus und nun glitt die schwarze Schlange ihren Arm entlang zu ihrem Hals. Vor ihrem Ohr wisperte sie 2 Töne und Kutila verstand das als Begrüßung. Sie stöhnte lächelnd.

Dann wand sich die Schlange um ihren Hals. Glitt ihren Körper hinab. rollte sich auf ihrem Bauch zusammen und Kutila bedeckte sie mit ihrer Hand. Dann schob die Schlange sich weiter. Glitt ihre Beine hinunter und wieder hinauf, bevor sie in sie hinein glitt und sich in ihrem Inneren drehte und wand. Das fühlte sich so lustig an!

Bis sie wieder hinaus kroch und ihren Bauch hinauf, zwischen den Brüsten entlang glitt. Hinauf zu ihrem Mund, wo sie einkehrte und ihr Köpfchen darin herum drehte.

Schließlich glitt sie wieder den Bauch hinunter in ihre Vagina-Öffnung hinein. Diesmal blieb sie lange im Bauch und sang dort ein dunkles zauberisches Lied.

Kutila schwebte derweil umher, auf orange-gelben Wolken in den 7 Himmel.

Als die Schlange endlich hinaus kroch, zitterte sie und war sprachlos vor Wohlgefühl.

Zum Abschied liebkoste die Schlange ihren Fuß und sagte: „Denk daran, dass du uns rufen kannst, wenn du Sehnsucht nach uns hast, oder in Not bist. Ich und unsere ganze Familie werden kommen, wenn du auf das Geschenk meiner Schwester klopfst.

Noch lange lag Kutila auf dem Boden des alten Kellers, der immer noch warm war und sie hörte auch lange noch die Musik, die sie sanft in den Schlaf wiegte.

Schließlich wurde sie von einer kitzelnden Katzenzunge geweckt. Aala stand vor ihr und schaute sie fragend an. Geistesabwesend kraulte sie ihr das schwarze Fell.

Aala bedeckte sie mit ihrem Körper und schließlich kam auch Rosan und legte seinen Kopf auf ihre Beine. So verbrachten sie die Nacht in dem dunklen Kellerraum.

Utopie 5: Die Höhle

Die Höhle

So lag Kutila unter der Feendecke und schlief. Es war bei einer Waldlichtung, wo sie zusammengebrochen war.

Die 2 Katzen scherten sich nicht weiter darum. Sie tollten auf der Lichtung umher, spielten und jagten auch hin und wieder ein Tier. Endlich legten sie sich zu Kutila, die gar nicht mehr aufzuhören schien, zu schlafen.

Als sie irgendwann erwachte lagen die Köpfe von Rosan und Aala auf ihrem Bauch und sie schliefen ihrerseits. Also blieb sie ruhig liegen und fing an zu träumen.

Immer wieder sah sie Suray in ihrer weißen ärmellosen Bluse, dem beigen Rock, die Haare hinten im Nacken zusammengebunden und mit in die Hüften gestemmten Armen auf sie schauen. In der Hand ein schwarzes Buch….

So schlief sie wieder ein.

Am Nachmittag wachten sie alle auf und nach einem kleinen Frühstück aus Quellwasser, etwas Brot, dass sie aus Frankfurt mitgenommen hatte und frischen aromatischen Blättern, machten sie sich auf den Weg.

Die Landschaft wurde immer seltsamer. Felsen ragten in die Luft. Rötlich, grau und hellbraun. Mal zackig, dann weich und rund.

Als sie einmal an einem rund geschliffenen Felsen vorüber kam, stutze sie. Da war doch ein Eingang?

Rautenförmig mit nach oben gestellter Spitze. Innen gähnte schwarze Dunkelheit und drum herum war der Stein mit roter Farbe bemalt.

Auf dem Boden lag heller Sand. Als sie noch zögerte, sah sie von innen ein helles weißgelbes Licht, das sich bewegte. Mal hierhin und mal dorthin auf dem Boden entlang kroch. Auch so etwas wie ein feiner Duft und leise Musik drangen daraus hervor.

Sie wagte sich herein. Einen Schritt nach dem anderen, kam sie dem Leuchten immer näher. Bis sie vor einer kleinen weißen Schlange stand, die ein oranges Muster auf dem Köpfchen und dem Rücken hatte.

Die Schlange lachte als sie sie sah. Es klang wie leichtes Glockenklingeln. Kutila setzte sich und die Schlange kroch an ihrem Bein entlang. Sie ließ sie erst über ihre Hand kriechen und spielte mit ihr. Dann glitt sie ihren Bauch entlang zu ihrem Bein zurück und durch die Venuslippen in ihren Bauch. Dort drehte und wand sie sich. Rollte sich zusammen und kroch dann wieder hinaus auf ihren Bauch. Kutila schaute sie an und streichelte ihren Kopf und an ihrem Körper entlang. Die Schlange kam zwischen ihre Brüste und war nun ganz nah an ihrem Kopf.

Wirst du mir auch niemals etwas zuleide tun?“, fragte die Schalnge.

Aber nein. Du darfst auch in meinen Mund.“

Die Schlange glitt in ihren Mund. Dann wieder hinaus, über ihren Bauch und durch die krausen Haare in ihren Bauch zurück. Kutila hörte, wie sie dort ein Lied sang. Am liebsten wäre es ihr gewesen, sie wäre immer dort geblieben. Aber sie glitt wieder hinaus und verabschiedete sich.

Du kannst mich rufen, wenn du dich nach mir sehnst“, sagte sie zum Abschied. „Ich gebe dir ein Geschenk und wenn du in Not bist, kannst du darauf klopfen, dann komme ich mit meiner ganzen Familie.“ Damit glitt sie davon.

Kutila lag noch lange, von sanften Wellen Wohlgefühl durchpulst im Sand. Es war so schön warm hier.

Irgendwann kamen Aala und Rosan herein. Aber Kutila blieb liegen und wartete, ob die Schlange nicht wieder käme. Eine Zeit-lang tönte noch leise Musik aber irgendwann merkte sie, dass es nur das Tropfen von Wasser auf den Boden war und auch die Wärme verschwand langsam. Aber erst als sie anfing zu frieren, verließ sie die Höhle und konnte sich entschließen langsam zurück in den Wald zu laufen.

Utopie 4: Frankfurt

Dies ist die Fortsetzung von „eine Utopie“, Utopie: Hight-Tech“, „Utopie 3“ zu finden in der Kategorie: Allerhand Geschichten (das erste Kapitel ist ganz unten):

Utopie 4

Frankfurt

Als Kutila schon eine ganze Weile gelaufen war, bemerkte sie plötzlich ein beständiges Tapsen hinter sich. Immer wenn sie stehen blieb, hörte das Tapsen auf und wenn sie weiter lief, lief es auch weiter.

Irgendwie wurde ihr das unheimlich. Deshalb beschloss sie, auf einen Baum zu kletter und zu schauen wer ihr da folgte.

Sie wählte eine dichte Tanne und kaum war sie ein paar Meter hoch geklettert, als ihr Herz einen Hüpfer machte. Am Stamm unten saß ein ein fast erwachsener Tiger und schaute lustig zu ihr herauf! Grade streckte er sich und begann seine Krallen an der Rinde zu wetzen. Er schnupperte vernehmlich und bekräftige seinen Wunsch nun endlich bei ihr zu sein, mit einem kleinen Grunzer.

Kutila kletterte hinab und stand nun etwas ratlos vor ihm. „Was soll ich denn mit dir? Füttern kann ich dich jedenfalls nicht.“, sagte sie. Ihre Stimme klang dabei aber eher zärtlich und erfreut, als ablehnend. Der Tiger legte sich auf den Rücken, fauchte und fuchtelte mit seinen Tatzen in der Luft herum als ob er eine imaginäre Beute gefangen hätte.

Schon verliebt. Kutila wusste, dass sie aufgeben konnte sich dagegen zu wehren.

Willst du etwa mit ans Meer? Willst du mit mir zu den Inselfischerinnen?“, lächelte sie mit kaum gebremster Begeisterung.

Der kleine Tiger sprang nun verspielt vor ihr her und wie um ihre Sorge um das Futter zu besänftigen, hatte er im nu einen Hasen zwischen den Krallen. Kutila schaute betreten zur Seite und lief schon mal voraus.

Nach einer Weile folgte der Tiger ihr, sich genüsslich das Maul lschleckend.

Das wurde eine schöne warme Nacht, so in das Fell gekuschelt.

Tage später, hörten sie beide wiederum Tapsen hinter sich und die Schwanzspitze des Tigers begann aufgeregt zu vibrieren. Aber erst nach 3 Tagen entdeckte Kutila, wer ihnen da hinterher geschlichen war.

Begeistert zuckte sie zusammen. Eine schwarze Pantherin, deren grüne Augen leuchteten wie Diamanten.

Sie kam heran und legte sich auf den Boden, wie um zu zeigen, dass sie ihnen nichts tun wollte. Kutila näherte vorsichtig ihre Hand. Aber schließlich kraulte sie sie hinter dem Ohr.

Das wurde ein lustiger Tag. Der Tiger und die Pantherin spielten den ganzen Tag um sie herum. Sie sammelte Kastanien und Kräuter und erhitzte sie später in der Glut.

Nach 5 Tagen sahen sie in der Ferne eine große Stadt. Das musst Frankfurt sein. Kutila war gespannt darauf. Sedidja hatte ihr immer viel von der Stadt erzählt. Vor dem großen Chaos hätten fast alle interessanten Vergnügungen in großen Städten statt gefunden und sie sei oft dort gewesen zum tanzen.

Schließlich stand sie vor dem, was einmal Frankfurt gewesen sein mochte.

Überall zwischen den Häusern wuchsen riesige Bäume bis in den Himmel hinein. Kutila konnte nicht begreifen, warum sie ausgerechnet hier zu solch ungeheurer Größe hinauf geschossen waren. Von den Dächern und Balkonen wucherten Farne, Efeu bildete dichte Vorhänge, durch die fast nichts mehr zu sehen war. Dazwischen gediehen seltsame große rote Blumen auf alten Baumriesen, die einst aus irgend einem Gewächshaus ausgewildert sein mochten. Bunte Vögel flogen überall umher und erfüllten die Luft mit ihrem Geschrei und ihren seltsamen Rufen. Auf einzelnen Lichtungen hatten die Menschen Gemüse angepflanzt.

Dazwischen standen halb zerfallene, zerfallene, aber auch intakte Häuser, die gut gepflegt waren. In der Ferne prangten Türme mitten aus dem Urwald hervor.

Während Kutila, der Tiger Rosan und die Pantherin Aala noch standen und schauten, bemerkten sie eine Bewegung über sich. Hoch oben war ein Baumhaus und im Eingang saß mit baumelnden Beinen eine Frau, die auf sie herab lächelte.

Hallo, wo kommt ihr den her?“, fragte sie. Auch Aala und Rosan schauten interessiert hinauf, denn um die Hütte herum spielten 4 Katzen, Fangen.

Magst du heraufkommen?“, fragte die Frau nun und rüttelte an einer Strickleiter, die direkt zu Kutilas Füßen endete.

Kutila fühlte sich etwas zittrig, als sie hinauf stieg und wusste nicht wieso. Einen Moment lang dachte sie an ihre Freundin im fernen Kukuwa.

Aus der Hütte schien ihr eine warmes rotes Licht entgegen.

Die Frau der sie gegenüber stand, hatte braunes volles Haar und einen Gesichtsausdruck, der sie merkwürdig berührte.

Komm herein, ich heiße Suray. Wie heißt du?“

Kutila merkte gerade, dass sie sich irgendwie komisch benahm.

Ich, ich heiße Kutila.“, stammelte sie. Aala leckte ihr sanft die Hand. Sie beruhigte sich ein wenig.

Nun schaute sie sich um. Eine Wand war ganz mit Büchern bedeckt. „Rosa Luxenburg“, „Lokal bewegen, global verhandeln“, las sie auf den Buchrücken. Und viele mehr. Dazu altertümliche Bilder, die halb verblichen waren.

Ich beschäftige mich damit, was die Menschen vor dem Großen Chaos für Ideen hatten. Diese hier träumten von etwas, das fast so ist wie die Welt in der wir leben, nur dass unsere hier noch viel schöner ist.“ Ihr Finger zeigte auf die Bücher, deren Titel Kutila gelesen hatte. „Sie hatten sich eine schöne Welt erträumt, aber dass sie so schön werden könnte, hatte wohl in diesen finsteren Zeiten ihre Vorstellungskraft überschritten.“

Hier lachte sie befreit und übermütig und warf den Kopf dabei in den Nacken. Endlich fiel auch die Befangenheit von Kutila ab. Sie lachte mit und begann von ihrer Großcousine Sedidja zu erzählen. Darüber ging der Tag dahin. Endlich kuschelte sie sich unter den Wurzeln von Surays Baum zwischen den Katzen zusammen.

Am nächsten Morgen hatte Suray Tee für sie gekocht.

Soll ich euch mal unser Versammlungshochhaus zeigen?“

Unterwegs plauderten sie. „Was ist das denn für eine Kultur, die ihr hier habt?“, fragte Kutila. „Keine bestimmte. Es kommen allerhand Kulturen zusammen. Hier findest du einfach alles und das interessanteste im Versammlungshochhaus. Manche mögen einfach den Großstadtdschungel und sind hier geblieben. Eigentlich ist hier immer noch Chaos, aus dem allerhand neues entsteht.“

Kutila bemerkte aber, dass alle zerfallenen Häuser sorgfältig abgeriegelt waren. Vermutlich damit keine Kinder darin zu Schaden kamen.

Nach einigen Stunden Weges standen sie vor einem riesigen nach oben spitz zulaufenden Haus, das sehr alt aussah.

Viel Stimmen und Musik klangen daraus hervor und vermittelten den Eindruck eines Bienenschwarmes.

Sofort befand sie sich zwischen vielen Menschen, die teilweise etwas erstaunt auf Rosan und Aala schauten.

Nun betrat sie einen Saal, in dem alle saßen, nur eine Frau stand und rief: „Ich möchte im Sommer arbeiten und im Winter schlafen! Den Winter möchte ich unter der Erde verbringen und den ganzen Tag nur lieben, Geschichten erzählen und träumen!“ Stille breitete sich aus. Den meisten Menschen erschien das etwas unrealistisch. Es gab dazu zwar kein Gesetz, jedoch galt es als sehr unhöflich, den Lebenstraum eines Menschen als unrealistisch abzutun. Auch tat die Frau ihnen Leid, denn sie war nun schon seit 5 Jahren in Frankfurt und verkündete ihre Idee. Bisher hatte sie noch keine Menschen gefunden, die ihre Vision teilten.

Ich! Ja ich habe auch diese Vision!“ ein schmaler Mann mit braunem Bart und Haaren war bebend aufgestanden. Tränen liefen über seine Wangen.

Durch den Saal lief ein Vibrieren. Alle wussten: Hatten sich erstmal 2 Menschen mit ihrer Vision gefunden, kamen bald wie von selbst noch mehrere dazu.

Es dauerte lange, ehe sich im Saal wieder etwas rührte, aber dann brach begeistertes Raunen aus. Die Frau und der Mann lagen sich in den Armen.

Sie blieben noch eine Weile in dem Haus. Auf jedem Stockwerk gab es etwas anderes. Hier Musik und Tanz, da Theater, dort dichteten die Menschen Geschichten und ganz oben, wo das Licht am besten war, wurde gemalt.

Es war ein orgiastisches Erlebnis. Kutila wusste nicht, wo sie zuerst hingehen wollte. Überall Lachen, singen und dieses bienenstockartige Vibrieren.

Immer wieder musst sie schauen, dass sie Rosan, Aala und Suray nicht verlor.

Sie war froh, als sie hinterher in Surays Baumhaus lag und all die Bilder nochmal im Geiste vor sich sah. Am ergreifendsten fand sie den Gesichtsausdruck der Frau, die im Winter schlafen wollte, als der Mann aufstand und auf sie zu lief.

Nach einigen Tagen oder Wochen verabschiedeten sie sich. Kutila kletterte die Strickleiter hinunter. Sie drehte sich noch einmal um und winkte Suray, die im Eingang ihres Baumhauses saß und mit den Beinen baumelte.

Beim weggehen erschien ihr die Luft wie mit Drogen getränkter Nebel. Sie konnte nicht mehr laufen, sondern vor Freude nur noch hüpfen und rennen. So lief sie dem Meer entgegen. Immer weiter und weiter, bis sie außer Atem unter einem Baum zur Ruhe zusammenbrach.

Die Feen deckten einen Mantel über sie und ließen sie schlafen.

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