Patriarchalischer Kommunismus

In meinem tiefsten Herzen bin ich Kommunistin. Ja, ich schreibe nicht, ich bin vom Kommunismus überzeugt, sondern ich bin Kommunistin, da mir all jene Wirtschaftsformen, in denen es Klassen, Bevorzugte und Benachteiligte gibt, Menschen, die den Wettlauf nicht schaffen und der Ausverkauf der Mutter Natur, in der Seele weh tun.

Manche würden mich vielleicht als Anarchistin bezeichnen. Ich habe mich mit der Theorie nicht wirklich beschäftigt. Jedoch betrifft „Kommunismus“ lediglich die Wirtschaftsform und bedeutet, dass die Stärken und Talente einer Person allen zu  nutze kommen, nach dem Motto: „Gaben sind Aufgaben.“

Wie die politische Organisation aussieht, ist ein anderes Thema. Es kann also eine Kommunismus mit einer parlamentarischen Demokratie geben 😦 , oder mit einer Basisdemokratie (schon besser), oder  eben einer Anarchie, theoretisch könnte es natürlich auch einen Kommunismus mit einer Diktatur geben – und das ist es wohl auch, was im patriarchalischen Kommunismus passiert ist…….

Es entspräche meiner Natur, zu teilen und aber auch Teil zu haben, an den schönen Dingen, die Menschen in der Lage sind zu schaffen, an der medizinischen Versorgung, die heutzutage möglich ist. (Hier meine ich eher Qualität als Quantität, wie beispielsweise Biofood, mal schön Urlaub machen, eine homöopathische Behandlung… )

Das schlagkräftige Argument gegen diese natürlichste aller Wirtschaftsformen, sind die Verhältnisse, wie sie in der ehemaligen DDR und UDSSR geherrscht haben.

Meine Gedanken dazu sind noch etwas unausgegoren. Ich fange grade erst an, darüber zu sinnieren, was alles so typisch für die Ausprägung jeglicher patriarchalischer Lebensformen ist….

Auf die Sprünge half mir ein Erlebnis, bei dem ich Zeugin wurde, wie ein türkischer Mann seinem geistig und körperlich behinderten erwachsenen Bruder eine Babypuppe schenkte.

Dieser nahm die Puppe in den Arm. Wir drückten die Stelle, wo die Puppe „Mama“ sagt. Daraufhin freute er sich riesig und niemand aus der ganzen Familie die darum herum standen, fand das in irgend einer Form lächerlich oder peinlich.

Da begann ich mich zu fragen, welchen Stellenwert in der Türkei Mütterlichkeit hat, wenn es auch für einen Mann nichts peinliches ist, diese zu leben, und sei es mit einer Puppe… (Nicht dass ich die Türkei für ein matriarchalisches Land halte, aber es haben sich dort scheinbar andere matriarchalische Züge am Leben erhalten, als bei uns. Dazu gehört auch die Wertschätzung dieser Aufgabe.)

Oder anders ausgedrückt: Welchen Stellenwert hat Mütterlichkeit (oder sorgende Väterlichkeit) hier, wenn ich diese Situation als ungewöhnlich empfand….

Das genau war einer der Hauptfehler im versuchten Kommunismus des letzten Jahrhunderts.

Sogar Kollontai als Feministin war der Überzeugung, dass die untergeordnete Rolle der Frau auf deren fehlende Aktivität im wirtschaftlichen Bereich zurück zu führen sei. Sie hätten nicht am Produktionsprozess teilgenommen und seien deshalb für die Gemeinschaft nicht wichtig gewesen. (Ich nehme ihr das nicht übel. Wer weiß, welche patriarchalischen Werte ich noch alles verinnerlicht habe, die mir nicht bewusst sind!)

Ich glaube, dass es umgekehrt war. Weil die Frauen als minderwertig galten,  wurden auch ihre Tätigkeiten nicht mehr Wert geschätzt. Und da sie zum Besitz eines Mannes wurden, sollten sie wirtschaftlich abhängig bleiben. Sich also ausschließlich mit dieser, als minderwertig eingestuften Tätigkeit (Weiberkram) beschäftigen.

Die Konsequenz aus diesem Denken war, dass Frauen im versuchten Kommunismus dazu (um-) erzogen wurden, möglichst früh nach der Geburt eines Kindes wieder am Produktionsprozess teil zu nehmen. Für die Kinder wurden deshalb Masseneinrichtungen (Kinderkrippen, Kindergärten, Kinderhorte) mit professionellen Erzieherinnen (die sicher früher anders hießen) bereit gestellt.

Dies konnte passieren, weil die patriarchalischen Werte tief von den Menschen verinnerlicht waren, nach denen das pflegen von Kindern eine minderwertige Beschäftigung war.

Anders herum wäre ein Reim daraus geworden: Da im Matriarchat Männer nicht benachteiligt sind, hätten nicht nur Frauen das Privileg dieser schönen, anspruchsvollen Tätigkeit haben sollen.

Ist es doch eine der wichtigsten Aufgaben einer Gesellschaft.

Ein anderer Faktor, den ich als typisch für patriarchalische Gesellschaften halte, ist die hierarchische Struktur.

Es wurde auch dort, nach dem Vorbild der monotheistischen Religionen, blindes Vertrauen und blinder Gehorsam erwartet. Konformität wurde belohnt, in Form von ganz unkommunistisch: privilegierten Berufen und Wohnorten und Non-Konformität entsprechend bestraft.

Dies scheint mir im Wesen tief patriarchalisch zu sein. Ist es doch Zug, aller patriarchalischen Religionen und des schlimmsten Auswuchses des Patriarchates: Des Eroberungskrieges. (Ein normaler Krieger hat jeden Befehl auszuführen und wenn ihm auch das Herz in der Brust dabei zerspringt. )

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. sedidja
    Jan 24, 2011 @ 18:31:22

    Heute, ein paar Tage nach dem ich diesen Text verfasst habe, stehe ich immer noch dazu.
    Es ist inzwischen gegoren (nicht mehr ganz so unausgegoren) und ich kann es noch mal anders ausdrücken:
    Im Patriarchat steht das herstellen, das beschaffen, das rauben und das schützen von Gegenständen über allem. Nur hier konnte es passieren, dass das groß ziehen von Kindern als nutzlos bezeichnet wird und Kinder von beruflichen Betreuerinnen betreut werden, die im Durchgangsverkehr, immer für 2, 3 oder 5 Jahre 20 Kinder betreuen.
    Trotz des technischen Fortschrittes haben die meisten Menschen für Beziehungen (ob nun zu ihren Kindern, Liebesbeziehungen, normale Freundschaften oder die ganze Familie) viel zu wenig Zeit.
    Das Resultat sind innerlich arme Menschen, die dann wenn sie ihre wahren Bedürfnisse nicht erkennen, gierig nach käuflichen Dingen werden. Der Kreislauf stärkt sich also selbst. (Das hat nichts mit der Teufe= Tiefe zu tun ist ist deshalb auch kein Teufelskreis….)

    Antwort

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