Klassen durch Intelligenz

Klassen durch Intelligenz

Eigentlich hatten die Menschen nach der französischen Revolution die Klassen abschaffen wollen.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ lautete die Forderung.

Abgeschafft haben sie aber lediglich die Monarchie. Die Klassen blieben aufgrund der Besitzverhältnisse bestehen. Einige Köpfe rollten exemplarisch, aber ansonsten bildeten die selben adeligen Familien auch weiterhin die Oberschicht, da ihnen alles Land gehörte und die vorherigen Untertanen nun als LohnarbeiterInnen bei ihnen arbeiten mussten, oder auch nicht. Es gab für die Landbesitzer keinerlei Verpflichtung, irgend eine durch zu füttern. Daraus entstand eine nie gekannte Not und dadurch wiederum die Idee des Kommunismus.

Leider missglückten alle bisherigen Versuche diesen einzuführen. (Siehe auch meine Text: „Patriarchalischer Kommunismus“)

Stattdessen hat es eine Verschiebung gegeben. Früher bestand die Unterschicht, die Arbeiter und Bauern, aus Menschen jeder möglichen Intelligenz. (Dies meine ich mehr qualitativ, als quantitativ, da ich davon aus gehe, dass alle Menschen intelligent sind, aber nicht alle besitzen diese Art von Intelligenz, die sie befähigt, gute Schulabschlüsse zu machen und/oder sich in dieser Welt in der das Geld regiert zurecht zu finden)

Es ist natürlich immer noch so, dass Kinder aus Familien der Oberschicht und dem Bildungsbürgertum im Vorteil sind, nicht nur weil sie etwas erben, sondern auch, weil sie Nachhilfe bekommen, bessere Wohnverhältnisse, effektiveren Freizeitausgleich haben, etc..

Dennoch ist die Situation so, dass zunehmend Menschen mit alternativer Intelligenz , und/oder massiven sozialen Problemen, im Billiglohnsektor landen (Mal abgesehen von Flüchtlingen, aber das ist ein eigenes Thema, dass mindestens genau so finster ist.) und dort bis aufs Blut ausgebeutet werden.

Das führt natürlich dazu, dass sich diese Menschen sehr viel schlechter wehren können, als die Menschen der damaligen Arbeiterbewegung, in deren Reihen sicher viele als „hoch-intelligent“ eingestufte Menschen waren.

Um sich wehren zu können, bedarf es zuerst mal des Bewusstseins, dass an der eigenen Lebenssituation etwas nicht in Ordnung ist. Dann der Intelligenz, die Schuldigen an der Situation zu entlarven, der Phantasie sich eine andere Art des menschlichen Zusammenlebens und Arbeitens vorzustellen und dann der Ideen, wie diese Ziele erreicht werden können. Dazu natürlich noch einer Menge Mut und Unerschrockenheit, denn die Schuldigen werden sich diese Veränderungen natürlich nicht einfach gefallen lassen.

Hier frage ich mich oft, inwieweit es tatsächlich die Art der Intelligenz ist, oder ob nicht auch das fehlende Vertrauen in die eigene Denkleistung mit zu der ohnmächtigen Situation, in der sich die Menschen befinden, beiträgt.

Wenn ein Kind in der Schule nicht mit kommt, oder selbst wenn es immer nur mittelmäßig ist, fängt es vielleicht irgendwann an, am eigenen Kopf zu zweifeln. „Warum kapier ich das nicht?“ Sie fühlen sich also eventuell irgendwann von der Denkleistung anderer Menschen abhängig. (siehe auch mein Text: „Bildungswahn“) und wagen es nicht, sich ein Urteil zu erlauben, jedenfalls nicht eines, was dem Urteil von vermeintlich intelligenten Menschen widerspricht.

Ich frage mich, was sie hinsichtlich ihrer Lebenssituation denken. Denken sie, sie haben deshalb weil ihre Intelligenz alternativ ist, also nicht den vorgeschriebenen Erwartungen entspricht, wenn sie beispielsweise ein kinästhetischer Lerntyp sind (Menschen die nur gut lernen, wenn sie in Bewegung sein können. Rechnen durch hüpfen, etc..) schlechtere Arbeitsbedingungen, schlechtere Wohnverhältnisse, eine verkürzte Lebenszeit, eine schlechtere Ernährung, weniger Reisen, etc.. verdienen, als Menschen die den Anforderungen in der Schule Uni, etc. gerecht werden können?

Was denkt ihr, werden sie irgendwann in der Lage sein, sich zu wehren, oder brauchen sie die Hilfe von Menschen die sich besser in der Welt zurecht finden?

Ist dieses Klassensystem was wir heute haben nicht sehr viel stabiler, als das alte? Führt nicht diese angebliche Chancengleichheit, diese „Privilegien durch Leistung“-Mentalität, diese scheinbare Unbegrenztheit der Möglichkeiten zu sehr viel schlimmeren, da schwerer zu verändernden Klassen in unserer Gesellschaft?

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